Atelier UhrwerkAntike Uhren · Pflege & Reparatur

Kapitel 05

Werkzeug & Material

Gutes Werkzeug ersetzt keine Erfahrung, aber schlechtes Werkzeug ruiniert gute Arbeit. Für die Wartung antiker Uhren genügt ein überschaubarer Grundstock - vorausgesetzt, er ist sauber, scharf und passgenau.

Die meisten Schäden beim Selbermachen entstehen nicht aus Unkenntnis, sondern aus ungeeignetem Werkzeug: ein zu breiter Schraubendreher, der die Schlitze verkratzt, eine grobe Zange am feinen Zapfen, Hausmittel statt Uhrenöl. Wer mit dem richtigen Grundwerkzeug beginnt, schützt vor allem die Originalsubstanz der Uhr.

Das Grundwerkzeug

Grundausstattung für Wartung und kleine Reparaturen
WerkzeugWofür
Uhrmacher-SchraubendreherSatz fein abgestufter Klingen, exakt passend zum Schlitz, um Schrauben ohne Kratzer zu lösen.
ZeigerabheberHebt die Zeiger gerade und ohne Hebelspuren vom Zifferblatt ab; schützt Blatt und Zeigerwelle.
FederwinderSpannt und entspannt die Zugfeder kontrolliert - unverzichtbar und ein echtes Sicherheitswerkzeug.
PinzettenAntimagnetische Pinzetten in mehreren Stärken zum Greifen kleinster Teile, Schrauben und Federn.
ÖlgeberDosiert Uhrenöl tröpfchenweise exakt in die Ölsenkungen - verhindert Über- und Unterölung.
UhrmacherlupeLupe (Loupe) zum Einklemmen am Auge, um Zapfen, Lager und Hemmung beurteilen zu können.
WerkhalterSpannt das Werk sicher ein, sodass beide Hände frei bleiben und nichts verkantet.
Pegholz / PutzholzAngespitztes Weichholz zum Ausstechen und Reinigen der Lagerbohrungen ohne Materialabtrag am Metall.
ZapfenrolleZum Richten und Polieren von Radzapfen, damit sie wieder reibungsarm laufen.
Wer am offenen Werk arbeitet, braucht Werkzeug, das zur Filigranität der Teile passt - von der feinen Klinge bis zur antimagnetischen Pinzette.

Reinigungsmittel

  • Reinigungsbenzin / Petroleum - bewährte Lösemittel für die Handreinigung, lösen verharztes Öl zuverlässig. Gut belüften, Brandschutz beachten.
  • Uhrenreiniger fürs Ultraschallbad - spezielle, oft milde alkalische Reiniger; reinigen gründlich und schonend zugleich.
  • Spül-/Klarmittel - zum rückstandsfreien Nachspülen, damit keine Reinigerreste im Werk bleiben.

Schmiermittel

  • Uhrenöl in mehreren Viskositäten - dünnflüssig für die Hemmung, mittel für das Räderwerk; etablierte synthetische Öle (z. B. Moebius) sind alterungsbeständig.
  • Federhausfett - zähes Spezialfett für die Zugfeder im Federhaus.

Was nie ans Werk darf

WD-40, Kriechöl, Nähmaschinen-, Speise- oder Haushaltsöl, Sprühöle und Polierpasten haben in einer Uhr nichts verloren. Sie verharzen, binden Staub und greifen Lager an. Auch grobe Werkstattwerkzeuge - Kombizange, Standbohrer, Schmirgel - richten an feinen Werken irreparable Schäden an.

Klein anfangen

Man muss nicht alles auf einmal kaufen. Ein guter Schraubendreher-Satz, eine Lupe, Pinzetten, Pegholz und passendes Uhrenöl decken bereits Reinigung und einfache Wartung ab. Federwinder und Zapfenrolle kommen dazu, sobald man sich an Antrieb und Räderwerk wagt.